Lichtabstand und Lichtmenge (PPFD & DLI)
Licht ist der Motor für das Pflanzenwachstum. Zu wenig Licht bremst das Wachstum, zu viel kann Blätter verbrennen oder das Pflanzengewebe schädigen. Entscheidend ist nicht nur, dass Licht da ist, sondern wie viel davon tatsächlich an den Blättern ankommt – und wie lange. Die zwei wichtigsten Messgrößen dafür sind PPFD und DLI. Dazu kommt der richtige Lichtabstand, der je nach Lampe, Phase und Ziel angepasst wird.
Die Grundlagen: PPFD und DLI
PPFD (Photosynthetic Photon Flux Density)
Gibt an, wie viele für die Photosynthese relevante Lichtteilchen (Photonen) pro Sekunde auf einer Fläche von einem Quadratmeter ankommen. Einheit: µmol/m²/s. Je höher die PPFD, desto mehr Energie steht der Pflanze zur Verfügung – bis zu einem Punkt, an dem zu viel Licht Stress erzeugt.
DLI (Daily Light Integral)
Fasst die gesamte Lichtmenge pro Tag zusammen, die die Pflanze erhält. Einheit: mol/m²/Tag. DLI berücksichtigt sowohl die PPFD als auch die Beleuchtungsdauer.
Eine Pflanze, die acht Stunden lang 800 µmol/m²/s bekommt, sieht nicht das gleiche Tageslicht wie eine, die zwölf Stunden 600 µmol/m²/s bekommt. Über den DLI lassen sich solche Lichtbudgets direkt vergleichen – unabhängig davon, wie hell oder wie lange die Lampe läuft.
Formel:
DLI = (PPFD × Beleuchtungsstunden × 3600) ÷ 1.000.000
Welche Zielwerte in welcher Phase?
| Phase | PPFD-Bereich (µmol/m²/s) | DLI-Bereich (mol/m²/Tag) |
|---|---|---|
| Keimling | 200 – 400 | 8 – 15 |
| Vegetative Phase | 400 – 600 | 15 – 25 |
| Frühe Blüte | 600 – 900 | 25 – 40 |
| Späte Blüte | 800 – 1000 | 35 – 45 |
Tipp: Wenn du CO₂ anreicherst, kann die Pflanze auch höhere PPFD-Werte verarbeiten – vorausgesetzt, Nährstoffe und Klima passen.
PPFD & DLI Rechner
Statt selbst mit der Formel zu rechnen, kannst du hier direkt deine Werte einsetzen. Der Rechner zeigt dir sofort, ob dein DLI im Zielbereich für die gewählte Phase liegt – oder ob du die PPFD anpassen oder die Beleuchtungsdauer verlängern oder kürzen musst.
Schiebe die Regler – der Rechner zeigt sofort, ob deine Pflanzen genug Licht für die gewählte Phase bekommen.
Formel: DLI = PPFD × Stunden × 3600 ÷ 1.000.000
Der richtige Abstand zur Lampe
Jede Lampe hat eine empfohlene Aufhängehöhe, die oft vom Hersteller angegeben wird. Diese Angaben sind ein Startpunkt, Feinanpassung machst du über Beobachtung und Messung.
Grundprinzip:
Zu nah = zu hohe PPFD → Blattverbrennungen, Lichtstress, gestauchter Wuchs
Zu weit weg = zu niedrige PPFD → gestreckte Pflanzen, weniger Ertrag
Richtwerte für LED-Lampen ohne CO₂-Zugabe:
| Phase | Abstand (bei gängigen 200–300 W LED) |
|---|---|
| Keimling | 60 – 80 cm |
| Vegetativ | 40 – 60 cm |
| Blüte | 30 – 45 cm |
Inverse-Square-Gesetz in der Praxis: Verdoppelst du den Abstand, viertelt sich die ankommende Lichtmenge. Heißt umgekehrt: Schon kleine Höhenanpassungen von 5–10 cm können einen deutlichen Unterschied bei der PPFD machen. Wenn du die Lampe um 20 % näher hängst, steigt die PPFD an der Blattoberkante grob um 50 %.
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So misst du Lichtmenge
1. Mit einem PAR- oder PPFD-Messgerät
Genauste Methode
Messung in mehreren Punkten der Blattkrone
Der Durchschnitt bildet den Entscheidungswert
2. Mit einer App, Kalibrierung und Handyzubehör
Günstige Lösung, nutzt den Handysensor
Muss mit Referenzmessung einmalig kalibriert werden
3. Über Erfahrungswerte und Pflanzenbeobachtung
Blattstellung, Farbe und Wuchsform als Indikatoren
In Kombination mit Herstellerangaben oft ausreichend für Anfänger
Lichtzyklen und DLI
Die Beleuchtungsdauer ist der zweite Hebel neben der PPFD. Ein 18/6-Zyklus (18 Stunden Licht) liefert bei gleicher PPFD ein Drittel mehr DLI als 12/12. Standardwerte:
Keimling/frühe Vegi: 18/6 oder 20/4 – viele leichte Photonen über lange Zeit
Vegi: 18/6 als Klassiker, 16/8 wenn der Stromzähler mitreden soll
Blüte (photoperiodisch): 12/12 – die Dunkelphase steuert die Blüte
Autoflower: 18/6 oder 20/4 von Anfang bis Ende
Beispielrechnung: 700 µmol/m²/s × 12 Stunden × 3600 ÷ 1.000.000 = 30,2 mol/m²/Tag → mittlere bis späte Blüte, gut. Mit 600 µmol/m²/s und 18 Stunden landest du bei 38,9 mol/m²/Tag – mehr DLI bei weniger Spitzenlicht. Beide Wege funktionieren, der erste erzeugt aber weniger Hitze pro Stunde.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Lampe zu früh auf Vollgas: Keimlinge bekommen oft 800+ µmol/m²/s ab Tag eins. Das stresst, statt zu nützen. Erst dimmen oder höher hängen.
Nur Watt vergleichen: Eine 400-W-LED kann mehr oder weniger PPFD liefern als eine 320-W-LED – entscheidend ist die µmol/J-Effizienz, nicht die Wattzahl auf dem Karton.
DLI ohne Klima betrachten: 45 mol DLI helfen nichts, wenn die Blattoberflächentemperatur über 30 °C steigt oder die Luftfeuchte aus dem Ruder läuft. Licht ist Energie – das Klima muss sie verarbeiten können.
An einer Stelle messen: Die PPFD am Mittelpunkt unter der Lampe ist meist 20–40 % höher als an den Rändern. Plane deinen Grow auf den Durchschnitt, nicht auf das Maximum.
Licht im Zusammenspiel mit Klima und CO₂
Mehr Licht heißt mehr Photosynthese – aber nur, wenn die Pflanze auch alles andere zur Verfügung hat. Wer die PPFD über 800 µmol/m²/s schiebt, sollte gleichzeitig prüfen:
VPD: Bei hohem Licht idealerweise 1,2–1,5 kPa, damit die Stomata offen bleiben.
Temperatur: 24–28 °C bei LED, eher am oberen Ende wenn CO₂ angereichert wird.
CO₂: Standardluft hat 400–450 ppm. Mit 800–1200 ppm kann die Pflanze Lichtmengen verarbeiten, die sonst Lichtsättigung wären.
Nährstoffe: Vor allem Stickstoff (vegi) und Kalium (Blüte) müssen mit dem Lichtangebot mitwachsen.
Faustregel: Pro 100 µmol/m²/s zusätzliche PPFD steigt der Wasserverbrauch der Pflanze spürbar. Wer das Licht hochdreht, ohne Gießplan und Lüftung anzupassen, fährt schnell in eine Mangelsituation.
Der richtige Abstand zwischen Lampe und Pflanzen, kombiniert mit passenden PPFD- und DLI-Werten, sorgt dafür, dass deine Pflanzen gesund wachsen und sich gut entwickeln. Wenn du verstehst, wie viel Licht wirklich ankommt und wie der Abstand die Intensität beeinflusst, kannst du einfach nachjustieren und Problemen wie verbrannten Blättern oder schwachem Wuchs vorbeugen. Orientiere dich an Messwerten, Herstellerangaben und vor allem an dem, was dir deine Pflanzen zeigen. So bekommen sie vom Keimling bis zur Ernte genau das Licht, das sie brauchen.