Zwitter erkennen (Hermaphroditen)
Was ist eigentlich ein Zwitter?
Unsere Lieblingspflanze ist in der Regel zweihäusig, was man auch diözisch nennt. Das bedeutet, es gibt männliche Pflanzen, die Pollen produzieren, und weibliche Pflanzen, die wir für die Blütenproduktion haben wollen. Unser Ziel sind immer unbestäubte Damen, da diese deutlich mehr Harz und THC produzieren als ihre männlichen Gegenstücke.
Ein Zwitter ist eine Pflanze, die beide Geschlechtsmerkmale gleichzeitig ausbildet. Sie versucht quasi, sich selbst zu befruchten. Das ist ein genialer Überlebensmechanismus der Natur - denn wenn eine Pflanze merkt, dass sie bald stirbt oder keine männlichen Partner in der Nähe sind, bildet sie männliche Organe, um den Fortbestand der Art durch Samenbildung zu sichern. Für uns Grower ist das jedoch fatal, denn bestäubte Blüten stecken ihre gesamte Energie in die Samenproduktion statt in Wirkstoffe. Das Ergebnis ist weniger potentes Gras, das beim Rauchen unangenehm schmeckt.
Echte Hermaphroditen und Bananas unterscheiden
Nicht jeder Zwitter sieht gleich aus. Um richtig reagieren zu können, musst du die zwei Hauptarten unterscheiden, die zu verschiedenen Zeitpunkten auftreten können.
Der echte Hermaphrodit
Diese Form tritt meist schon früh in der Blütephase oder sogar noch im Wachstum auf. Du erkennst sie an den sogenannten Nodien, also den Blattachseln, wo die Seitentriebe aus dem Hauptstamm wachsen. Dort bilden sich neben den weißen weiblichen Blütenfäden auch kleine Pollensäcke. Diese sehen aus wie winzige grüne Bälle oder kleine Trauben. Die Gefahr ist hier besonders hoch, da diese Säcke aufplatzen und Millionen von Pollen durch das Zelt schleudern können, die dann vom Ventilator überall verteilt werden.
Die Bananas oder Nanners
Diese Variante ist tückischer und tritt meist erst in der Mitte oder gegen Ende der Blüte auf. Mitten aus der schönen, harzigen Blüte schiebt sich plötzlich ein längliches, krummes, gelbes oder hellgrünes Gebilde. Aufgrund seiner Form wird es treffend als Banane bezeichnet. Das Gefährliche an Bananas ist, dass sie im Gegensatz zu Pollensäcken nicht erst aufplatzen müssen. Sie sind quasi nackte Staubgefäße und geben oft sofort Pollen ab, sobald sie sichtbar sind. Da sie oft tief im Bud versteckt liegen, sind sie bei flüchtiger Betrachtung schwer zu entdecken.
Ursachen für die Zwitterbildung
Wenn deine Pflanze zwittert, gibt es dafür meistens zwei Hauptgründe. Entweder liegt es an der Abstammung oder an den Umweltbedingungen.
Zum einen spielt die Genetik eine große Rolle. Manche Strains neigen einfach dazu, bei geringsten Anlässen zu zwittern. Besonders vorsichtig solltest du bei sogenannten Bag Seeds sein. Das sind Samen, die du zufällig in gekauftem Gras gefunden hast. Diese Samen sind häufig das Ergebnis einer Zwitter-Bestäubung. Da sie die genetische Veranlagung der Elternpflanze in sich tragen, ist das Risiko deutlich erhöht, dass auch die daraus wachsende Pflanze zwittern wird. Stabile Genetik von renommierten Züchtern minimiert dieses Risiko deutlich.
Zum anderen ist häufig Umweltstress der Auslöser. Wenn sich die Pflanze bedroht fühlt, schaltet sie in den Überlebensmodus. Der häufigste Fehler im Indoor-Anbau ist Störlicht. Schon eine blinkende LED an der Steckdosenleiste oder ein nicht ganz lichtdichter Reißverschluss können die Dunkelphase unterbrechen und den Hormonhaushalt der Pflanze durcheinanderbringen. Aber auch andere Stressfaktoren wie dauerhafte Temperaturen über 30°C, Lichtverbrennungen durch zu geringen Lampenabstand, extreme Trockenheit oder eine starke Überdüngung können dazu führen, dass die Pflanze männliche Blüten ausbildet.
Maßnahmen zur Rettung der Ernte
Sobald du eine Banane oder einen Pollensack entdeckt hast, ist schnelles Handeln gefragt. Dein Vorgehen hängt dabei stark vom Ausmaß des Befalls ab.
Die chirurgische Methode bei leichtem Befall Wenn du nur an wenigen Stellen vereinzelte Bananen oder Säcke findest, kannst du versuchen, diese zu entfernen. Schalte dazu unbedingt zuerst alle Umluft-Ventilatoren aus, um keine Pollen aufzuwirbeln. Ein bewährter Trick ist der Einsatz von Wasser. Da Feuchtigkeit den Pollenstaub verklebt und weitgehend unwirksam macht, solltest du die betroffene Stelle ganz leicht mit einem Wasserzerstäuber einsprühen, bevor du zur Tat schreitest. Nimm dann eine sterile Pinzette und zupfe den Pollensack oder die Banane extrem vorsichtig ab. Wichtig ist danach die Nachsorge. Du musst diese Pflanze ab jetzt täglich akribisch kontrollieren, da an den gleichen Stellen oft neue männliche Blüten nachkommen.
Isolation oder Noternte bei starkem Befall Ist die Pflanze übersät mit Säcken, ist das Risiko für die anderen Pflanzen im Zelt meist zu groß. Wenn du die Möglichkeit hast, isoliere die Pflanze sofort in einem anderen Raum oder an einem sonnigen Fenster. So kann sie ausblühen, ohne den Rest deiner Ernte zu gefährden.
Ist eine Isolation nicht möglich, bleibt oft nur die Entsorgung oder eine Noternte. Befindet sich die Pflanze schon spät in der Blüte, kannst du sie früher umhauen. Sei dir jedoch bewusst, dass Qualität, Aroma und Potenz zu diesem Zeitpunkt noch nicht ihr Optimum erreicht haben. Das Ergebnis wird schwächer sein als geplant, ist aber immer noch besser als eine Ernte, die komplett voller Samen steckt.
Sollte es doch zu spät gewesen sein, kannst du versamtes Gras theoretisch trotzdem ernten und nutzen. Es ist nicht giftig, aber du musst die Samen vor dem Konsumieren mühsam entfernen, da sie beim Verbrennen sehr unangenehm schmecken.
Zwitterbildung in Zukunft vermeiden
Damit du dieses Drama beim nächsten Grow nicht noch einmal erlebst, ist Prävention der Schlüssel. Der wichtigste Faktor ist absolute Dunkelheit während der Nachtphase. Setz dich tagsüber in dein geschlossenes Zelt und warte einige Minuten, bis sich deine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Siehst du irgendwo Licht schimmern? Klebe diese Stellen sofort ab. Auch kleine LEDs an Luftbefeuchtern oder Ventilatoren sollten mit schwarzem Isolierband abgeklebt werden.
Zusätzlich solltest du in hochwertige Genetik investieren und auf Experimente mit unbekannten Samen verzichten. Wenn du dann noch dafür sorgst, dass Temperatur, pH-Wert und Bewässerung konstant bleiben und Stressfaktoren minimiert werden, stehen die Chancen gut, dass deine Damen auch bis zur Ernte reine Damen bleiben.
Ein Zwitter im Zelt fühlt sich im ersten Moment an wie ein Weltuntergang, ist aber oft nur ein Warnschuss. Wer wachsam ist, seine Pflanzen regelmäßig kontrolliert und im Ernstfall mutig zur Pinzette greift, kann meistens immer noch eine gute Ernte einfahren.